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Presse Veranstaltungen

 

9. Mai 2011

Generalprobe in der Ambulanz von LIFE-Child –
152 Kinder und Jugendliche untersucht

Zu einer Generalprobe gehören auch die „Kulissen“. Deshalb haben das LIFE-Child-Team in den letzten Wochen und Monaten neben den Feasibility- und Pilotstudien auch akribisch an der Ausgestaltung der Studienambulanz gearbeitet. „Wir möchten, dass sich die Kinder bei uns wohlfühlen und nicht den Eindruck bekommen, sie wären Patienten in einer Klinik“ erklärt Andreas Hiemisch, Leiter der Studienambulanz LIFE-Child. „Zu einer kindgerechten Umgebung gehören auch bunt gestaltete Wände und jede Menge Kuscheltiere. Außerdem wurden unsere Mitarbeiter im altersgerechten Umgang mit Kindern und Jugendlichen geschult, obgleich sie meist umfangreiche Erfahrungen mitbringen.“

Weniger ums Wohlfühlen als vielmehr um harte Fakten geht es in den fünf Feasibility-Studien, die seit Dezember 2010 laufen: Mit einer Machbarkeitsstudie beispielsweise zum 3D-Body-Scanner betritt das Studienteam absolutes Neuland. „Bei Kindern ist ein Scan viel schwieriger als bei Erwachsenen“, erklärt Ernährungswissenschaftlerin und Studienassistentin Stephanie Naumann. „Vor lauter Neugierde fällt es den jungen Probanden schon schwer, die 12 Sekunden in der richtigen Position zu bleiben. Außerdem konnten wir einige methodische Fehler eliminieren. Das Gerät wurde ursprünglich nicht für den Einsatz in der medizinischen Forschung an Kindern konzipiert, sondern für die Modeindustrie. So mussten wir ein wenig experimentieren, die Lichtverhältnisse anpassen und an der Reproduzierbarkeit der Daten arbeiten.“

In einer zweiten Feasibility-Studie wurde der orale Fett-Resorptionstest auf den Prüfstand gestellt. „Leider weist dieser eine hohe Variabilität auf, denn viele Faktoren beeinflussen die Studien-Ergebnisse wie beispielsweise die Nahrungsaufnahme am Vortag oder auch die persönliche Fitness. Um diese Einflüsse auszugleichen, müssten wir die Untersuchungszeit auf etwa acht Stunden ausweiten, das ist den Kindern nicht zuzumuten“, erläutert Studienärztin Dr. Mara Hesse. Zudem gäbe es Teilnehmer, die den kalorienreichen Trunk nicht perfekt vertragen hätten.

Überzeugender liefen die Vorstudien zur Untersuchung der Stimmleistung und -qualität ab. Getestet wird in dieser dritten Feasibility-Studie das Zusammenspiel von Hormonveränderungen, Pubertät und Stimmentwicklung sowie die Beziehung zu psychischen Störungen. In den nächsten Wochen werden hierzu erste Ergebnisse erwartet.

Eines der Hauptziele im Forschungsnetzwerk LIFE ist es, häufige Zivilisationserkrankungen genau zu charakterisieren: von der Entstehung über den Verlauf bis hin zum Erkrankungsbild, das sich oft erst im Erwachsenenalter ausprägt. Aus diesem Grund analysieren LIFE-Forscher die gewonnenen Daten aus den Kinderkohorten und setzen diese mit den Ergebnissen der Probanden aus der Erwachsenenstudie ins Verhältnis. Dafür ist es allerdings notwendig, vergleichbare Untersuchungsmethoden einzusetzen. Als besondere Herausforderung zeigte sich hierbei die Messung der Endothelfunktion als Hinweis auf Arterienveränderungen, die zu Schlaganfall und Herzinfarkten führen können. „Die Geräte, die bei Erwachsenen zum Einsatz kommen, sind für Kinder nicht geeignet. Denn wir untersuchen bei LIFE-Child Gefäßveränderungen in einem viel früherem Stadium – lange bevor das typische Bild einer Arteriosklerose sichtbar wird“, erklärt Mediziner und Psychologe Andreas Hiemisch. Somit sind die etablierten Geräte, mit denen man die Pulswellengeschwindigkeit ermittelt, nicht brauchbar. In der Kinderambulanz wird deshalb der Reaktive Hyperämie-Index gemessen. In der Testanordnung hat sich das Gerät Endopat der Firma Itamar durchgesetzt, das sich auch international etabliert hat. Wermutstropfen: Die Messung an nur einem Studienteilnehmer kostet rund 40 Euro.

In einer fünften Feasibility-Studie wird ergründet, ob die Grundumsatzmessung – die Bestimmung des Energieverbrauchs eines Menschen in völliger Ruhe – endgültig in das LIFE-Programm aufgenommen wird. Im Test befinden sich drei Geräte, von denen schon zwei überzeugen konnten. „Einzig die lange Untersuchungszeit von derzeit 30 Minuten muss dringend optimiert werden“, erklärt die Studienassistentin Christiane Koch.

Zeitmanagement steht auch im Mittelpunkt der Pilotstudien an denen bereits 86 Kinder und Jugendliche teilgenommen haben. Dabei wird der Gesamtablauf einem Stresstest unterzogen und so nach Optimierungsmöglichkeiten gesucht – die dennoch altersgerechte Untersuchungen sicher stellen. Aktuell gehören zum Untersuchungsprogramm Anthropometrie und Bodyscan, Blutentnahme, Blutdruckmessung, Endothelfunktion, oraler Glukosetoleranz-Test, Lungenfunktion und Spirometrie, Spiroergometrie, Herz-Ultraschall, EKG, Grundumsatzmessung, körperliche Untersuchung, Bioimpedanzmessung zur Ermittlung des Wasser- und Körperfettanteils, Aktometer mit 7 Tagen Verlaufsmessung, Analyse der Sing- und Sprechstimme sowie eine Reihe psychometrischer Instrumente. Weitere Untersuchungen bereitet das Team gegenwärtig vor. Dazu gehören: Ultraschall von Leber, Niere, Brustdrüse und Schilddrüse; Schädelultraschall bei Säuglingen; Allergietest, Untersuchungen im Schlaflabor; MRT des Körpers zur Analyse der Verteilung von Fett- und Muskelmasse wie auch psychomotorische Entwicklungstests. Mit der Kardiorespirografie – einem Messverfahren für Atmung und Herztätigkeit bei Säuglingen – werden Aussagen über früheste Veränderungen möglich sein.

In den folgenden Wochen werden Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit zu den Hauptaufgaben gehören. Im Unterschied zu Erwachsenen spielt die Motivation zur Teilnahme im Kindes- und Jugendalter eine viel größere Rolle, so der Studienleiter des LIFE-Child-Projektes Prof. Wieland Kiess. Dazu wurden Absprachen mit dem Gesundheitsamt der Stadt Leipzig sowie der Sächsischen Bildungsagentur getroffen, die das LIFE-Child-Projekt offiziell unterstützen. Außerdem präsentierte das Team ihr anspruchsvolles Forschungsprogramm bei Informationsabenden für niedergelassene Kinderärzte und Gynäkologen. Treffen mit Hebammen, Klinikärzten und Krankenschwestern werden folgen. Der nächste Höhepunkt steht schon fest: Am 31. Mai absolviert eine Abiturklasse den Untersuchungsparcours der Ambulanz in der Philipp-Rosenthal-Straße. Die Jugendlichen sind dabei Probanden und Nachwuchs-Wissenschaftler in einem, denn sie verfolgen ein eigenes schulisches Forschungsprojekt.

  • Probandengesuch LIFE-Child

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  • Pressemeldungen

    11.09.2017
    Übergewicht bei Kindern hängt nicht nur von Erbfaktoren ab. Anzeige der Universität Leipzig
    [Zeit Online]

    30.08.2017
    Wissenschaftler des Leipziger LIFE-Forschungszentrums sind genetischen Faktoren der Krankheitsentstehung auf der Spur
    [PM Uni Leipzig]

    Opens internal link in current windowMedienspiegel

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